© Wormser Zeitung vom 27.4.2010
Noch nie zuvor gehört
27.04.2010 - WORMS
Von Gunter Weigand
MISSA IN JAZZ Aufführung des Jungen Ensembles der
Mannheimer Liedertafel vereint traditionelle und moderne Musik
Seit jeher haben sich Komponisten an eine Vertonung der Heiligen Messe gewagt und damit zu sehr unterschiedlich klingenden Ausdrucksweisen christlichen Glaubens gefunden. Eine der jüngsten Mess-Kompositionen stammt von Peter Schindler, der in seiner "Missa in Jazz" traditionelle Musikformen und moderne Einflüsse vereint hat. Dieses Werk führte das Junge Ensemble der Mannheimer Liedertafel unter der Leitung von Dr. Stephan Aufenanger mit großem Geschick in der Martinskirche auf.
"Sie werden feststellen, diese Art von Musik wurde in dieser Kirche noch nie gehört", sagte Wolfgang Kaufhold, Vorsitzender des Fördervereins St. Martin, in seiner Begrüßung, und die folgenden knapp 80 Minuten sollten ihm Recht geben. Allein schon die Besetzung war ungewöhnlich, denn neben dem gemischten Chor hat der Komponist für die Ausführung seines Werks eine kleine Band vorgesehen, bestehend aus Saxophon, Orgel, E-Bass und Schlagzeug. Wobei die Orgel durch ein Keyboard ersetzt wurde.
Das Kyrie zu Beginn der Messe wirkte schlichter, als man es vielleicht erwartet hätte, wenn auch die durch den Einsatz der verschiedenen Stimmen entstehenden Akkorde mit reichlich Chromatik gewürzt waren. Nach dem der Chor zunächst a cappella agierte, dauerte es nicht lange, bis sich die Band hinzugesellte. Das klang in sanfteren Momenten manchmal ein wenig wie das bekannte "Adiemus", doch schnell war es dann mit der Beschaulichkeit vorbei.
Das Gloria war aufgrund seines lobpreisenden Textes mit einigen dramatischen Höhepunkten gespickt. Stephan Aufenanger holte aus dem Chor einen prächtig funkelnden Klang hervor, der von der Band gut ergänzt wurde. Keyboard (Lukas Moriz) und Bass (Igor Smierzewski) sorgten für Flächen und Fundament, das Saxophon (Yolanda Diefenbach) umspielte mit großer Flexibilität die Melodielinien des Chors und das Schlagzeug (Carmen Stiefel) trieb den gesamten Apparat mit pulsierendem Rhythmus nach vorne.
Auch das Credo hielt allerhand bereit, von homophonen Sätzen bis hin zu barocker Polyphonie hatte Komponist Peter Schindler allerhand stilistische Effekte eingebaut, die von dem Laienchor mit mehr als respektablem Resultat gemeistert wurden.
Auch die saubere Intonation trug zum Hörgenuss bei. Im finalen Agnus Dei beruhigte sich das musikalische Geschehen wieder und der Chor zeigte, dass auch in leisen Tönen eine große Kraft stecken kann.
Mit lang anhaltendem Applaus zollte das Publikum Sängern und Instrumentalisten seine Anerkennung.

Das Junge Ensemble der Mannheimer Liedertafel führte eine Mess-Komposition von Peter Schindler auf.Foto: pa/ Rudolf Uhrig
